- Wetterfühligkeit ist keine eigenständige Diagnose in ICD-11 oder DSM-5
- Sie ist real und verbreitet, etwa 30 bis 35 % der Menschen berichten davon
- Sie wirkt als Auslöser und Verstärker bestehender Erkrankungen wie Migräne, Gelenkschmerz oder Herz-Kreislauf-Probleme
- Die Befunde sind relativ belastbar für Luftdruckeffekte, deutlich schwächer für direkte Effekte geomagnetischer Stürme
- Es ist nicht nur Einbildung, mehrere plausible physiologische Mechanismen wurden vorgeschlagen
Zehn Menschen gefragt, ob sie das Wetter „spüren“, und mehrere werden ja sagen, oft mit Geschichten über ein ziehendes Knie vor Regen oder Kopfschmerz bei Sturm. Ärztinnen und Ärzte reagieren zurückhaltender, weil die Frage nach einer Krankheit eine klare Einordnung verlangt. MeteoStorms erhält diese Frage häufig, deshalb hier eine sachliche, auf Belegen beruhende Antwort.
Zwei Begriffe für verschiedene Dinge
Wissenschaftler unterscheiden meist zwei Begriffe. Meteorosensitivität beschreibt Menschen, die Wetteränderungen körperlich oder emotional wahrnehmen. Meteoropathie geht weiter und meint Fälle, in denen Wetterumschwünge neue Symptome auslösen oder eine bestehende Erkrankung verschlechtern, beispielhaft Migräneattacken, Gelenkschmerz oder Blutdruckanstieg bei Herz-Kreislauf-Erkrankten. Nicht alle, die das Wetter spüren, entwickeln Meteoropathie. Es ist ein Kontinuum vom reinen Wahrnehmen bis zur wiederkehrenden Verschlechterung.
Offizielle Klassifikation
Weder Meteorosensitivität noch Meteoropathie tauchen als eigenständige Diagnose in der ICD-11 oder im DSM-5 auf. Es gibt keinen spezifischen Diagnosecode. Das Fehlen eines Codes heißt jedoch nicht, dass die Erfahrungen erfunden wären. Häufig sind Wettereffekte ein zusätzlicher Auslöser für bereits bestehende Krankheiten, und standardisierte Diagnosekriterien fehlen bisher.
Mögliche Mechanismen
Mehrere plausible physiologische Pfade wurden vorgeschlagen. Veränderungen des Luftdrucks können das Innenohr und vestibuläre Nerven beeinflussen, was Kopfschmerzen oder Schwindel erklären könnte. Wetterumschwünge können das autonome Nervensystem reizen und so Herzfrequenz, Blutdruck und Unruhe verändern. Neurochemische Veränderungen könnten Schmerzschwellen senken, und bei Gelenken könnten Gewebsausdehnungen durch niedrigen Druck Nerven reizen.
Migräne und geomagnetische Stürme
Bei Migräne ist die Evidenz am stärksten. Tage mit fallendem Luftdruck stehen bei einem Teil der Betroffenen öfter mit Attacken in Zusammenhang, Studien schätzen den Wetteranteil an Migräneereignissen auf rund 20 % bei manchen Personen. Für geomagnetische Stürme und direkte Effekte auf das Wohlbefinden ist der Nachweis deutlich schwächer und uneinheitlich. MeteoStorms berichtet über solche Stürme und verweist auf Kp-Index-Daten von NOAA und GFZ, lässt aber unvoreingenommen Raum für persönliche Beobachtungen.
Fazit und Rat
Wetterfühligkeit ist keine eigenständige, kodierte Krankheit, wohl aber ein realer, verbreiteter Auslöser und Verstärker bestehender Beschwerden. Sinnvoll ist das eigene Beobachten, zum Beispiel ein einfaches Tagebuch mit Wetterdaten. Neue, schwere oder sich verschlechternde Symptome sollte man ärztlich abklären lassen, damit der ganze Gesundheitszusammenhang berücksichtigt wird.
Quellen
- Bharti J. K. et al., Meteoropathy: a review on the current state of knowledge, PMC https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10478667/
- Whether Weather Matters with Migraine, NIH PMC https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10940451/
- Impact of Barometric Pressure Changes on the Severity, Frequency, and Duration of Migraine Attacks, PMC https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12617017/
- WHO ICD-11 https://icd.who.int/
- NOAA Space Weather Prediction Center https://www.swpc.noaa.gov/
- GFZ Helmholtz Centre for Geosciences https://www.gfz.de/en/
Erstellt aus aktuellen Daten von NOAA SWPC und GFZ Potsdam und vom MeteoStorms-Team geprüft.
Datenquellen:NOAA SWPC, GFZ Potsdam
