- Schwache und starke Stürme sind dieselbe Erscheinung in unterschiedlicher Intensität.
- Die Stärke misst man mit dem Kp Index und der Skala von NOAA G1 bis G5.
- Schwache Stürme sind sehr häufig und meist unauffällig, starke Stürme sind selten und störend.
- NOAA registriert hunderte G1 bis G2 Tage, aber nur wenige G5 Tage pro Sonnenzyklus.
- Der Sturm im Mai 2024 erreichte G5 und war der erste Extremevent seit Jahrzehnten.
Menschen sprechen oft von „einem Magnetsturm“ als wäre das ein einzelner Zustand, entweder an oder aus. Tatsächlich treten geomagnetische Stürme in sehr unterschiedlichen Größen auf. Sowohl ein schwacher als auch ein starker Sturm stören das Magnetfeld der Erde, aber sie können sich stark unterscheiden in Intensität, räumlicher Ausdehnung, Dauer und in der Wahrnehmbarkeit im Alltag. Dieses Verständnis hilft, Vorhersagen gelassener zu lesen statt bei jeder Warnung Alarm zu schlagen.
Was macht einen Sturm schwach oder stark
Ein geomagnetischer Sturm entsteht, wenn geladene Teilchen und Magnetfeld von der Sonne, meist durch eine koronale Massenauswurf oder einen schnellen Sonnenwindstrom, die Erde erreichen und das Magnetfeld stören. Entscheidend ist, mit welcher Wucht dieses solare Material trifft und wie stark das Magnetfeld dadurch gestört wird. Zwei Faktoren bestimmen die Stärke: die Energiemenge, die ankommt, und die Dauer der Störung. Ein langsam ankommender, flacher Sonnenwind verursacht nur leichte Störungen. Ein schneller, großer Auswurf mit stark gekippter Magnetfeldkomponente führt zu heftigen Stürmen. Schwache Stürme enden oft nach wenigen Stunden, die stärksten können einen Tag oder länger andauern.
Wie Wissenschaftler die Stärke messen
Der Kp Index fasst die globale Magnetfeldstörung in drei Stunden Blöcken als Zahl von 0 bis 9 zusammen. Ruhige Bedingungen liegen bei Kp 0 bis 3. Ein Sturm beginnt offiziell bei Kp 5. Zusätzlich nutzt die US Behörde NOAA eine fünfstufige G Skala von G1 bis G5, die viele Vorhersagen übernehmen:
- G1: gering, Kp 5
- G2: mäßig, Kp 6
- G3: stark, Kp 7
- G4: schwer, Kp 8
- G5: extrem, Kp 9 Die Skala hilft, die Bandbreite einzuordnen ähnlich wie bei Wirbelstürmen oder Erdbeben.
Auswirkungen von schwach bis stark
Schwache Stürme G1 bis G2 sind sehr häufig. NOAA schätzt etwa 1.700 G1 Ereignisse und 600 G2 Ereignisse pro typischem 11 jährigem Sonnenzyklus, zusammen also hunderte Tage pro Zyklus. Diese Stürme bringen meist nur kleine Effekte: schwache Spannungsschwankungen in Netzen, geringe Satellitenstörungen, kaum hörbare Effekte auf Funk und Aurora nur in hohen Breitengraden. Starke Stürme G3 bis G5 sind selten und deutlich disruptiver. Bei G3 können Spannungskorrekturen im Netz nötig werden, Satellitenbahnreibung nimmt zu und Funk wird unzuverlässig. G4 kann weitreichende Spannungsprobleme und stärkere Funkausfälle bringen. G5 kann in Extremfällen Teile eines Netzes lahmlegen, Raumfahrzeuge stark belasten und Aurora bis in ungewöhnlich niedrige Breiten treiben.
Ein aktuelles Beispiel
Der Sturm am 10. bis 11. Mai 2024, bekannt als „Gannon“ Sturm, wurde von mehreren großen koronalen Massenauswürfen ausgelöst und erreichte G5. Das war der erste extrem starke Sturm seit über zwei Jahrzehnten. Sichtbar wurde er durch Auroren in Breiten, in denen sie selten sind. Laut NASA führte der Sturm nicht zu katastrophalen Schäden, zeigte aber von der Erde bis zum erdnahen Raum vielfältige Effekte und bot Forschern eine seltene Gelegenheit zur Beobachtung eines Extremereignisses.
Fazit
Schwache und starke Magnetstürme sind dasselbe Naturphänomen auf einer Skala der Intensität. Kp Index und die G Skala geben klare Information darüber, ob ein Ereignis routinemäßig oder potenziell störend ist. Geomagnetische Daten dienen der Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden oder starken Symptomen ist ein Gespräch mit einer Fachperson ratsam.
Quellen
- NOAA Space Weather Prediction Center — NOAA Space Weather Scales: https://www.swpc.noaa.gov/noaa-scales-explanation
- NOAA Space Weather Prediction Center — Geomagnetic Storms: https://www.swpc.noaa.gov/phenomena/geomagnetic-storms
- NOAA Space Weather Prediction Center — Planetary K-index: https://www.swpc.noaa.gov/products/planetary-k-index
- NASA Science — What NASA Is Learning from the Biggest Geomagnetic Storm in 20 Years: https://science.nasa.gov/science-research/heliophysics/what-nasa-is-learning-from-the-biggest-geomagnetic-storm-in-20-years/
- NOAA SWPC — G5 Conditions Observed: https://www.swpc.noaa.gov/news/g5-conditions-observed
